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Blickwechsel - Farkli Bakisacisi

Unter dem Motto "Blickwechsel - Farkli Bakisacisi" hat das ServiceBureau Jugendinformation gemeinsam mit dem Bildungs- und Beratungszentrum Gewitterziegen e.V. eine einwöchige deutsch-türkische Fachkräftebegegnung in Istanbul durchgeführt. Vom 14. bis 21. September 2010 hatten zehn Bremer Haupt- und Ehrenamtliche aus insgesamt sechs Einrichtungen der Jugendarbeit (u.a. Jugendbildungsstätte Lidicehaus, Naturfreundejugend Bremen, RAZ, Kompetenzagentur Pickup) in Istanbul die Gelegenheit, sich über die türkische Jugend- und Bildungsarbeit zu informieren und verschiedene Praxisprojekte zu besuchen.

 

Die Türkei - ein verglichen mit Deutschland - sehr „junges“ Land in dem 13 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 10 und 19 leben. Außerdem ein Land in dem viele Bremer Jugendliche ihre familiären oder kulturellen Wurzeln haben. Zwei Gründe für Bremer Haupt- und Ehrenamtliche aus der Jugendarbeit sich dorthin auf den Weg zu machen...

 

Eine Jugendarbeit wie sie in Deutschland seit Jahrzehnten Tradition hat, ist in der Türkei noch nicht weit verbreitet und etabliert, die Familie und die Schule stellen meist die einzigen Sozialisationsinstanzen dar. Deutlich wurde bei dem Fachkräfteaustausch jedoch auch, dass die türkische Jugendarbeit, die im Gegensatz zu Deutschland nur marginale staatliche Förderung erhält, trotzdem im Aufbruch ist: zunehmend mehr Jugendliche engagieren sich ehrenamtlich um Bildungsangebote wie Musik-, Sport-, Bastel- oder Nachhilfekurse für (benachteiligte) Jugendliche anzubieten. Gefördert werden diese Angebote durch Stiftungen, die alle noch relativ jung sind und in den 90er Jahren bzw. später gegründet wurden oder aus Mitteln des EU-Programms „Jugend in Aktion“.

 

Apropos Engagement: Die Stiftung „Genç Hayat Vakfı“ ist hier insbesondere erwähnenswert (vgl. http://www.genchayat.org/). Diese wurde nach der Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink mit dem Ziel gegründet, Toleranz, Demokratie und Menschenrechte zu fördern. Seit der Gründung 2008 haben 100 Freiwillige und ehrenamtliche MitarbeiterInnen in ihren Projekten bereits mehr als 10.000 Jugendliche erreicht, so erzählt die erst 26-jährige Pinar Eric (Projektkoordinatorin) stolz.

Besonders beeindruckend war für die deutsche Gruppe ebenso der Besuch der Frauenkooperative „Ilk Adim Kadinkooperativi. Hier haben Frauen, die ursprünglich aus dem Osten der Türkei stammen und deren Familien aus Gründen der Arbeitssuche nach Istanbul immigriert sind, einen Kindergarten eröffnet, in dem sie ihre behinderten Kinder gegenseitig betreuen und sich zu Erziehungsfragen austauschen und fortbilden. Die Eröffnung dieses Kindergartens war dabei nicht leicht. Der Widerstand von Seiten des Stadtteils, der Behörden und auch der eigenen Ehemänner musste überwunden werden und oft ist an vielen Stellen das Geld knapp. So verkaufen die Frauen beispielsweise selbst hergestellte Taschen etc. um die Einrichtung zu finanzieren.

 Unterstützt wurden die Bremer OrganisatorInnen bei der Planung des Austausches von der türkischen Partnerorganisation Genctour (www.genctour.org). Diese bieten unter anderem Workcamps und internationale Jugendbegegnungen für Jugendliche an. Geplant ist nun auch der Besuch der türkischen Gruppe in Bremen im kommenden Jahr um sich vertiefter über Methoden und Arbeitsansätze in der Jugendarbeit auszutauschen.

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