KI in der Jugendarbeit: Von Hype zu Verantwortung
Künstliche Intelligenz ist längst Teil unseres Alltags – oft unsichtbar, aber mit tiefgreifenden Folgen. KI ist nicht neutral oder losgelöst von gesellschaftlichen Strukturen zu betrachten – sie wird von Menschen entwickelt, genutzt und steht im wechselseitigen Verhältnis mit ihnen und der Gesellschaft.
Auf dem Fachtag werfen wir einen umfassenden Blick auf KI und werden ihren Einfluss auf Demokratie und Gesellschaft kritisch reflektieren.
Im Mittelpunkt steht die viel zu selten gestellte Frage: Wo kommen KI-Systeme überhaupt her? Wer entwickelt die Anwendungen, die so viel Einfluss auf unser Leben haben? Welchen Arbeitsbedingungen prägen diesen Prozess? Wir werfen einen Blick auf die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse in der weltweiten KI-Industrie.
Vom großen Ganzen geht es ins Konkrete: Welche Rolle spielt KI in der Lebenswelt Jugendlicher? Wie beeinflussen KI-Systeme zwischenmenschliche Beziehungen? Sogenannte romantische Chatbots werden (auch) unter Jugendlichen immer beliebter, sie können Nähe simulieren – und zugleich Einsamkeit verstärken. Ein Thema, das gerade in der Jugendarbeit neue Fragen aufwirft.
In praxisorientierten Workshops erhalten die Teilnehmenden konkrete Methoden, Materialien und Impulse, um KI niedrigschwellig in der politischen Bildungs- und Jugendarbeit zu thematisieren. Alle Ansätze sind so gestaltet, dass sie direkt in Jugendzentren, Schulen und anderen Bildungskontexten umgesetzt werden können.
Das Programm
9:00 Uhr Start
9:15 Uhr Vortrag 1
KI und wir: 10 Einsatzszenarien, die zum Nachdenken anregen
KI nimmt uns die Arbeitsplätze weg. Sie entscheidet über Kreditvergaben, diagnostiziert Krankheiten, therapiert und generiert Kunst auf Knopfdruck. Mit Bild- und Tongenerierung kann sie jede Person alles sagen und machen lassen – sie beeinflusst unsere Meinungsbildung und öffentliche Debatten. Und: Sie entwickelt ein eigenes Bewusstsein. Ist das alles Science-Fiction oder längst Alltag?
Ein kurzer Realitätscheck zeigt zehn prägnante Beispiele von KI-Einsatzszenarien, die zum Nachdenken und Diskutieren anregen.
Julia Kehr-Ritz (ServiceBureau Jugendinformation) setzt sich als Bildungsreferentin mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die demokratische Gesellschaft auseinander. Dabei entwickelt sie Bildungsangebote für Jugendliche und Fachkräfte der Jugendarbeit und unterstützt mit medienpraktischem Angebot die Bremer Jugendeinrichtungen.
10:15 Uhr Vortrag 2
Von Menschen gemacht – Warum Technik nie neutral ist
Der Vortrag zeigt, wie Künstliche Intelligenz Chancen und Herausforderungen für die politische Bildungsarbeit eröffnet und warum Technik nie neutral ist. Er beleuchtet, wie globale Machtverhältnisse und wirtschaftliche Interessen die Entwicklung von KI prägen und wie sich diese Strukturen historisch einordnen lassen. Abschließend werden Wege aufgezeigt, wie diese Themen mit Jugendlichen diskutiert und für demokratische Bildungsprozesse nutzbar gemacht werden können.
Dr. Alev Coban (mediale pfade) ist promovierte Humangeographin mit großem Interesse an der Verschneidung postkolonialer und feministischer Grundsätze mit digitalen Technologien. Die Erkenntnis, dass Technik(entwicklung) immer politisch ist und daher auch emanzipatorisch verwendet werden kann, erkundet Alev als politische Bildnerin mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
11:15 Uhr Pause
11:30 Uhr Vortrag 3
Eine neue Liebe: Romantische Chatbots zwischen virtueller Nähe und Einsamkeit. Eine neue Herausforderung mit alten Antworten für die Jugendarbeit.
Digitale Begleiter in Form von Chatbots, Stimmen oder Avataren halten zunehmend Einzug in unseren Alltag. Besonders Replika – ein personalisierbare Chatbot, der von Nutzer*innen gestaltet werden kann – versprechen emotionale Nähe, ständige Gesprächsbereitschaft, Freundschaft oder gar romantische Beziehungen.
Auf dem Fachtag werfen wir einen kritischen Blick auf KI-gestützte Beziehungen: Warum sind Menschen bereit Beziehungen mit Maschinen aufzubauen? Wie verändern solche Systeme unser soziales Miteinander, unsere Vorstellung von Freundschaft und Partnerschaft? Sind KI-Freunde ein Risiko, ein Ersatz, oder ein neues Privileg?
Ob Hoffnung auf soziale Teilhabe oder Herausforderung für unsere Beziehungskultur – wir laden ein zur Auseinandersetzung mit einer Technologie, die mehr ist als nur ein Gesprächspartner.
Markus Gerstmann (ServiceBureau Jugendinformation) ist Vorstandsmitglied der GMK und Lehrbeauftragter des Studiengangs Soziale Arbeit der Hochschule Bremen. Als außerschulischer Bildungsreferent sind seine Schwerpunkte sind Digitale Medien, Jugendliche Social-Media-Aktivitäten und Jugendschutz.
12:30 Uhr Praxistranfer
Was nehme ich mit für meine Arbeit?
13:00 Uhr Mittagspause
14:00 Uhr Hands on!
Praktischen KI-Methoden zum Nachmachen
15:45 Uhr Pause
16:00 Uhr Abschlussrunde
Welche KI-Kompetenzen brauchen wir und die Jugend?
Veranstaltungsdetails
Termin
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6.11.25 ,9:00 bis 16:30 Uhr
Ort
-
Jugendbildungsstätte LidiceHaus
Weg zum Krähenberg 33a
28201 Bremen
Kosten
- 80 Euro